Doosquelle im Staatswald (ND-06650)

 Nur ein paar Schritte westlich der Straße zwischen Wemding und der nördlich gelegenen Gemeinde Wolferstadt liegt (über einen Kiesweg mit der Beschilderung „Weiherweg“ rasch zu erreichen) die Doosquelle. Mit der hoch über Wemding gelegene Karstquelle beginnt ein gut erhaltenes Denkmal städtischer Trink- und Brauchwasserversorgung der frühen Neuzeit.

GPS-Ortung:        N: 48°.53.633´; E: 10°44.033; Höhe: 480m ü. NN
Aufgenommen:     Juli/September 2003
Eigentümer:         Stadt Wemding
Schutzstatus:       Naturdenkmal - Gewässer (ND-06650)

Der Quellbereich selbst ist mit behauenen Kalkjurasteinen mörtelfrei etwa 1,50 m hoch gefasst und stark bemoost. Eine Treppe führt zur Stelle des aufwallenden Wassers, das aus hellgelbem Sand hervorquillt. Die Quelle ist eine Stauquelle des seichten Karsts mit einer Wasserschüttung von ca. 20 l/s). Über den anschließenden etwa 2 m breiten leicht mäandrierende Quellbach , den der Biber heute zum Feuchtbiotop aufgestaut hat, fließt das Wasser der Doosquelle zum Doosweiher der nur etwa 200 m westlich des Weihers liegt. Für diesen Wasserspeicher wurde ein 49 Meter langer und fünf Meter breiter Staudamm aufgeschüttet. Von dort strömt das Wasser durch eine gemauerte Rinne in den bis 1537 gegrabenen Dooskanal in Richtung Mühlweiher, wo die letzte der zur Kanalreinigung angelegten Brunnenstuben erhalten ist. Der Dooskanal endet nach 1,3 Kilometern im Johannisweiher vor der Stadtmauer.

Die Quelle war seit jeher Treffpunkt und Rastplatz von Fuhrleuten, Holzfällern, Schwammerlsuchern, Dorfboten und Feldarbeitern. Nach einer Sage soll hier ein kleines Männlein mit breitkrempigem Hut, das "Huaterle" den säumigen Besuchern erschienen sein und zum baldigen Aufbruch ermahnt haben.

Bis zum Bau des Dooskanals 1535 floss das Wasser der Doosquelle über den Rötebach in einen Mühlweiher in Amerbach.

Die Doosquelle mit einer Wasserschüttung von ca. 20 Liter/s).

Der Doosweiher ist künstlich angelegt worden. Der dafür notwendige Staudamm mit 49 m Länge und 5 m Breite wurde aufgeschüttet. Der Stadt Wemding diente das Wasser der Doosquelle als Trink- und Wirtschaftswasser. Um die Mühlen Wemdings mit Treibwasser zu versorgen, entschloss man sich im Jahre 1535 einen Kanal durch den Fuchsberg zum neuen Mühlweiher zu graben und auszubauen. Die landesherrliche Genehmigung dazu bekam der Rat der Stadt von Herzog Wilhelm. Die Fertigstellung erfolgte schon 1538. Heute ist die Stadt Wemding an die „Rieser Trinkwasserversorgung“ angeschlossen.

Der Doosweiher

Doosweiher mit Abfluss zum Dooskanal (im Bild unten vorn)

Sagen und Mythen

Der Wemdinger Doosweiher mit der wenige hundert Meter entfernten Doosquelle ist ein Ort mit geschichtlichen Hintergründen und Sagen. Der neue Themenwanderweg ("Sagenweg") verknüpft eindrucksvoll historische und geologische Besonderheiten sowie mystische Sagen, die in Zusammenhang mit Wemding stehen. Ein breites Themenspektrum wird behandelt: Sagen, Geschichte, Natur und Geologie.

Besonders für Kinder und Familien sind die Sagen zum Huaterle, einem Männlein mit breit gekrämptem  Hut, das sich bei einbrechender Dunkelheit am Doosweiher umhertreibt, oder den drei weißen Nonnen, die nächtlich an der Waldkapelle oder am Doosweiher umher geistern, spannend. Die Geschichten der Wemdinger Bürger werden hier so für die Zukunft festgehalten, für die Bevölkerung weiter zugänglich gemacht und in Erinnerung gerufen.

s'Huaterle (Sagengestalt)

Analyse: 
diente wohl schon lange als Rastplatz, der Dooskanal wurde 1535 – 1537 gebaut 
Bedeutung: war wichtig für die Wasserversorgung Wemdings und für den Antrieb der Mühlen in der Stadt, daneben ein sagenumwobener Ort
 Kulturlandschaftlicher Wert: hoch
 Erhaltungszustand: von Dooskanal nur noch eine Brunnenstube in der Nähe des Mühlweihers erhalten, Doosquelle wird heute noch gerne aufgesucht


Literaturhinweis:
Schlecht, Georg; Knoll, Theo; Till, Anneliese; Dietrich, Rudolf: Liebenswertes Wemding, Heimat zwischen Jura und Ries, Verein Lebendiges Wemding e.V., 1984.
Schön, Kathrin:  Historische Kulturlandschaft im Nördlinger Ries - LfU-Bayern