Linden und Akazien am Keller, OT Schopflohe (ND-06572)

 Ein kleines Feldgehölz auf einer Anhöhe (Schwarzjura Lias delta) , "Kellerbuck" genannt, ist als Standort dieses Naturdenkmal zu verorten. 

 GPS-Ortung:  N: 48°58´35"; E: 10°29´07"; Höhe: 480 m ü. NN
Aufgenommen: September 2003 / Oktober 2019
Eigentümer: Förch Alois und Gmde. Fremdingen-Schopflohe
Schutzstatus:  Naturdenkmal - Baumgruppe (ND-06572)

Die als ND ausgewiesenen Linden sind im kleinen Feldgehölz auf einer Anhöhe (Schwarzjura Lias delta) , "Kellerbuck" genannt, zu finden.  Die  5 alten Winterlinden und die 2 jüngere haben im Stamm folgende  Brusthöhenumfangswerte (BHU-Wert) Nördliche Linde 4,45 m und ca. 306 Jahre alt ; die südliche Linde 3,65 m und ca. 251 Jahre alt .
Die nördliche, dickere Linde ist auf der Nordseite durch Fäulnis tief ausgehöhlt, so dass der Zerfallprozess weiter gehen wird. Der Laubansatz ist jedoch sehr gut und Astdürre ist nicht festzustellen.
Drei weitere alte Linden mit einen Brusthöhenumfang (BHU-Wert) von 3,47 m und ca. 239 Jahre alt, Brusthöhenumfang (BHU-Wert) von 3,73 m ca. 257 Jahre alt und Brusthöhenumfang (BHU-Wert) von 3,34 m und ca. 230 Jahre alt ergänzen den Baumbestand auf dem Kellerbuck.

 Bildansicht September 2003

 Bildansicht Oktober 2019

Bildquelle: Dr. Dr. K. Marquardt, Institut für Wirtschaftsökologie, Bad Steben, 

Beschreibung: Der ehemaliger "Kellerbuck" mit Sommerkellerhaus (Gebäude steht nicht mehr), im Feldgehölz mit überwachsen Büßerkreuz aus Granit (über einen Meter hoch und mit Moosen und Flechten überwachsen), überdachtem Standkreuz mit Christusfigur, von Büschen und Bäumen zugewachsen, ist den mündlicher Überlieferung nach von schrecklichen Geheimnissen umwittert. Hier soll einst eine Kapelle gestanden habe, die auch als Freistätte galt, zu der Verfolgte flüchten konnte, um sich der Bestrafung zu entziehen.

"Büßerkreuz"

Ein großes Büßerkreuz aus Granit und ein Standkreuz mit Christusfigur, überdacht, sind erwähnenswert. Beide Exponate sind von Büschen und Bäumen überwachsen und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Sie sollten von der Gemeinde freigelegt werden. Ein Gedenkstein aus Kalkgestein am Rande des Feldgehölzes erinnert an die Flurbereinigung 1963-69.

 "Alte Kreuze stehen am Rain,
Künden, was geschehen.
Doch der Wanderer zieht vorbei
Kann sie nicht verstehen".

Obertägige Maße: Höhe 1,08 m, Breite 1,03 m, Tiefe 0,22 m, das Steinkreuz lat. Form aus Granit mit gerundeten Enden bezeichnet nach örtlichen Überlieferungen die Stelle eines Zweikampfes mit tödlichen Ausgang; s. Foto um 1955 mit dem ausgegangenen alten Bierkeller (H. Dettweiler)

Sühnekreuze gehen auf mittelalterliches Brauchtum zurück. Sie befinden sich vorwiegend an Orten eines Verbrechens mit tödlichem Ausgang. Statt die Untat mit dem Tod am Galgen zu büßen, konnte der Verurteilte mit den Angehörigen des Ermordeten einen Sühnevertrag aushandeln. Das Sühnekreuz musste der Täter selbst errichten und lebenslang betreuen. Er hatte für das Seelenheil des Ermordeten zu beten, zumal dieser "ohne letzte Ölung" zu Tode gekommen war. Dafür forderte auch die Kirche eine bestimmte Summe als Bußgeld, "Weggeld" genannt. So gelang es die Spirale der germanischen Blutrache zu durchbrechen und den Rechtsfrieden wieder herzustellen.

Warum das Sühnekreuz hier aufgestellt wurde, verliert sich im Dunkel der Zeit. Georg Monninger vermutet, dass sich hier eine "Freistätte" befand, an der Zweikämpfe ausgefochten werden durften. Oder setzte man es zum Andenken an die untergegangene Kirche? Im Laufe der Zeit vergaß man die Hintergründe und nutzte das Areal im vorigen Jahrhundert als Bierkeller. Die Schopfloher trafen sich dort in den Sommermonaten unter schattigen Linden und Akazien, die heute als Naturdenkmal ausgewiesen sind.

Analyse: hier Bierkeller errichtet, daneben nachmittelalterliches Sühnekreuz
Bedeutung: hier untergäriges Bier gelagert, daneben wichtiger Ausflugsort, Sühnekreuz aufgestellt, um Tod des Kontrahenten zu sühnen, soll Vorübergehenden zum Gebet auffordern.
 Kulturlandschaftlicher Wert: hoch
Zustand: ungepflegt und verwildert, wird augenscheinlich gelegentlich als Party-Platz genutzt (Feuerstelle und "Ausschankbude" vorhanden, Gebüsch als Kloake verschandelt.

Literaturhinweis: 
Schaul (1986): 187
Herbert Dettweiler, Steinkreuze und Kreuzsteine im Ries, Nördlingen 2002, S. 24-25
Schön, Kathrin: Historische Kulturlandschaft im Nördlinger Ries - LfU-Bayern