"Galgenberg", Süßwasserfelsen (ND-06596)

Lage: Wenige Meter entfernt vom Parkplatz des Tennisklubs Nördlingen, bzw. vom Freibad auf der Marienhöhe erhebt sich dieser Felsen.

GPS-Ortung:          N: 48°50'34"; E: 10°29'26"; Höhe: 472m ü. NN
Aufgenommen:       August 2004
Eigentümer:            Stadt Nördlingen
Schutzstatus:          Naturdenkmal - Felsen (ND-06596); Geotop-Nummer: 779A009

Bewertung des Geotops                                      Stand: Mai 2020
Bedeutung Allgemein geowissenschaftlich:      bedeutend
Regionalgeologisch:                                              regional bedeutend
Öffentlich:                                                             Exkursions-, Forschungs- und Lehrobjekt
Erhaltungszustand:                                             nicht beeinträchtigt
Geowissenschaftlicher Wert Einstufung*:       wertvoll
* mögliche Einstufungen sind: geringwertig, bedeutend, wertvoll, besonders wertvoll

Kurzbeschreibung des Geotops
Der klotzige Felsen am Nördlinger Galgenberg besteht im Sockel aus Gesteinen des kristallinen Grundgebirges, die durch den Meteoriteneinschlag aus der Tiefe gehoben wurden sowie im oberen Bereich aus Ries-Seekarbonaten. Die dolomitischen Kalksteine entstanden im Uferbereich und auf Untiefen des Ries-Sees, der sich nach dem Impakt im Kraterbereich bildete. Dort siedelnde Algen ("Chladophorites") begünstigten im warmen Klima der Tertiärzeit die Kalkausfällung. Durch Mikrofilme und Krusten (Stromatolithe) fand eine zusätzliche Verfestigung der Karbonat statt. Stellenweise können Lagen, die nur aus Schalen der Wasserschnecke Hydrobia oder dem Muschelkrebschen "Cypris" (Strandesia) bestehen, auftreten. Eingeschwemmte Landschnecken der Gattung Cepaea sind ebenfalls beschrieben.

Historische Bedeutung des Naturdenkmals:
Im 16. Jahrhundert stellte der Hexenfelsen auf dem Galgenberg zur Zeit der Hexenverfolgungen eine städtische Hinrichtungsstätte dar. Damals wurden an diesem Ort 34 Frauen und ein Mann, die der Hexerei bezichtigt wurden, auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Die Ortsbezeichnung "Hexenfelsen" stammt aus dieser Zeit als hier die Scheiterhaufen loderten. Da die heutige Marienhöhe damals noch nicht bewaldet war, sah man die Feuer im ganzen Ries.
Auch der Galgen (ausgelegt für 6 Deliquenten) stand auf dem Hexenfelsen, weshalb die Erhebung früher auch Galgenberg hieß.
Und noch eine eher düstere historische Bedeutung hatte der Felsen: Angreifende Feinde fanden hier eine hervorragende Deckung, um die Stadt aus erhöhter Position mit Kanonen zu beschießen.

Beim Hexenfelsen tritt kristallines Grundgebirge nur noch an der zum Wasserbehälter gelegenen Seite auf. Hier handelt es sich um gneisartige Gesteine. Die kristallinen Gesteine sind durch den Einschlag des Asteroiden um mehrere hundert Meter aus der Tiefe an die Oberfläche transportiert worden. Auf diesem kristallinen Sockel, der den Algen und Bakterien als Substrat diente, konnten diese durch ihre Lebenstätigkeit Kalk ablagern, der z. Tl. stotzenartig ausgebildet ist. Zeitweise wird der Hexenfelsen als Inselberg fungiert haben, das bedeutet, dass er über den Seespiegel herausragte.

Das Waldgebiet im Südosten der Altstadt bedeckt den Galgenberg sowie den Stoffelsberg und ist nach Marie Friederike von Preußen benannt. Die ursprünglich kahlen Hügel wurden 1834 erstmals mit Bäumen bepflanzt und seither nach und nach zum Landschaftspark gestaltet.
1817 entstand auf der Marienhöhe der erste Bierkeller. Von der Altstadt zur Marienhöhe führt der Kellermannsweg, eine Lindenallee mit 60 Bäumen, die 1906 gepflanzt wurden.

Reste von Kalken des ehemaligen Riessees haben sich hier, wie auch auf den Rieshügeln in Hainsfahrt, auf dem Wennenberg oder auf dem Steinberg erhalten. Die Kalkfelsen, aus der Seeflora an Ort und Stelle gewachsen, sitzen auf emporgehobenen Grundgebirgsschollen des so genannten "kristallinen Walls", der sich beim Einschlag des Meteoriten vor 15 Mio. Jahren gebildet hat.

Literaturhinweis:
Dietze V.:
Der Riessee, DN, Heft 4, 1987.
Lingel, Klaus: Führer durch das Ries, mit Rundgängen, Wanderungen und Ausflügen, Konrad Theis Verlag Stuttgart, 1986
Landesamt für Umwelt (LfU) Bayern; Kartierung Pösges / Barfeld 2007