Naturdenkmale Donau-Ries

Wallersteiner Felsen, tertiärer Sprudelkalk (ND-06642)


 

Lage: Besucht man das Wallersteiner Schloß (Brauerei Wallerstein) so befindet man sich in unmittelbarer Nähe des Wallersteiner Felsens. Vom Schlosshof aus geht man durch ein "weißes" Tor und betritt einen Park mit Wanderwegen rund um den Felsen.

 

GPS-Ortung:

N: 48°.53.405´; E: 10°28.591; Höhe: 471m ü. NN

Aufgenommen:

Juli 2004

Eigentümer:

Fürst zu Oettingen-Wallerstein

Schutzstatus:

Naturdenkmal - Felsen (ND-06642)

 

Der Wallersteiner Felsen ist aus Riesseekalken aufgebaut. Die Riesseekalke, -tone und -mergel sind Sedimente des Kratersees, der sich in der Hohlform bildete, die durch den Impakt herausgebildet wurde. Der mächtige Kalkstotzen des Wallersteiner Felsens überragt als Härtling die Riesebene um ca. 70 m. Die porösen, meist massigen Kalke werden von einer Kristallinscholle des inneren Rings unterlagert. Durch Tiefbohrungen und Neubaumaßnahmen nordöstlich des Felsens ist die Basis des Wallersteiner Felsen bekannt. Es handelt sich um beim Einschlag herausgehobenes, brecciiertes kristallines Grundgebirge (Granit, Gneis). Die untersten Bereiche der tertiären Seekalke bestehen aus gering mächtigen Lagen eines Transgressionskonglomerats, das sich aus verbackenen Klasten (Riesseekalk-Gerölle sowie aufgearbeitetes Grundgebirgsmaterial) zusammensetzt. Auf dem Weg zum Gipfel sind Travertine gut aufgeschlossen. Es liegen Stromatolithe, Cladophorites-Algenbauten und Travertin-Mounds vor. Die Entstehung des Felsen ist auf die gesamte Riesseezeit (ca. 2 Millionen Jahre) ausgedehnt. Im Aufstiegsbereich vadoser Wässer haben sich Travertine gebildet. Das von außerhalb des Sees eingedrungene Süßwasser ist als artesische Quelle aufgestiegen. Während der Riesseezeit sind die Travertinbildungen häufig dem langsam ansteigenden Seespiegel voraus gewachsen. Fossilfunde von brütenden Wasservögeln (Pelikane, Flamingos) belegen, dass der Felsen zeitweise als Insel aus dem See herausgeragt haben muss. Zudem wurden auch Versteinerungen von Schildkröten, Schnecken und Insekten (u. a. Libellenlarven) gefunden. Gegen Ende der Riesseezeit wurde der Druck der artesisch aufdringenden Wässer ausgeglichen und die Kalkausfällung wurde beendet. Der Wallersteiner Felsen wurde von tonigen Riesseeablagerungen überdeckt. Nach der Auffüllung des gesamten Kraterbeckens war der Felsen zusedimentiert. Erst später wurde der Ton erodiert und die härteren Kalkablagerungen wieder herauspräpariert.

 

    

Bildansicht: Blick nach NO

 

 

Der Wallersteiner Felsen, ein geologisches Phänomen, erbietet einen herrlichen Rundblick über das Rieser Land und ist zudem ein geologisches Studienobjekt. Granit und Gneis bilden den Sockel des Felsens,der mit Kalk überzogen ist.

Nach der Rieskraterkatastrophe schwemmten Regengüsse insbesondere wasserundurchlässige Tonmergel in das Becken und dichteten den Kraterboden ab, so daß ein See entstand. Unter den wasserundurchlässigen Schichten strömte nun mit Kalk angereichertes Grundwasser ein und drückte durch die zertrümmerten Gesteinsschollen. Um die Granit- und Gneiskuppe legten sich Kalkabscheidungen, so daß der Travertinstotzen "atollähnlich" emporwuchs. Auf dem Felsen, der zumindest zeitweise den Meeresspiegel überragte, nisteten Vögel, wie Knochen und Eierschalenfunde belegen. In den folgenden Jahrmillionen begruben die ständig wachsenden Seeablagerungen den Felsen. Später wurden die weicheren Gesteine aus der heutigen Riesebene wieder herausgeschwemmt. Der widerstandsfähige Travertinstotzen des Schloßfelsens blieb als "Härtling" stehen.

 

Literaturhinweis:

Bolten,R. und Gall,H.: Der Wallersteiner Felsen - ein geologisches Phänomen, DN, Heft 1, 1978.

Lingel, Klaus::Führer durch das Ries, mit Rundgängen, Wanderungen und Ausflügen, Konrad Theis Verlag Stuttgart, 1986.

Landesamt für Umwelt (LfU) Bayern; Kartierung Pösges / Barfeld 2007