Naturdenkmale Donau-Ries

"Galgenberg", Süßwasserfelsen (ND-06596)


 

Lage: Wenige Meter entfernt vom Parkplatz des Tennisklubs Nördlingen, bzw. vom Freibad auf der Marienhöhe erhebt sich dieser Felsen.

 

GPS-Ortung:

N: 48°50.619´; E: 10°29.468; Höhe: 472m ü. NN

Aufgenommen:

August 2004

Eigentümer:

Stadt Nördlingen

Schutzstatus:

Naturdenkmal - Felsen(ND-06596)

 

Der klotzige Süßwasserkalkbuckel ist ein Erosionsrest von dolomitischen Süßwasserkalken, welche die Füllung des nach dem Impact entstandenen Kraterbeckens darstellten. Die massigen Kalke gehen vor allem auf Algenriffe zurück, die sich bevorzugt an Aufragungen des inneren (Kristallinen) Kraterrandes gebildet haben.

Der Hexenfelsen ist ein imposanter, isoliert stehender Dolomitklotz, der zur Marienhöhe gehört. Dieser Höhenzug gehört zum Inneren Kraterring des Rieses. Der Kristallinring zeichnet den primären Rieskrater nach, der kurz nach seiner Entstehung nur ca. 12 km im Durchmesser und ca. 4,5 km tief war. Lithologisch setzt sich der innere Ring aus aufgepresstem kristallinen Grundgebirge (z. B. Granit, Gneis, Amphibolit), das von Riesseekalken überkrustet ist, zusammen. Beim Hexenfelsen tritt kristallines Grundgebirge nur noch an der zum Wasserbehälter gelegenen Seite auf. Hier handelt es sich um gneisartige Gesteine. Die kristallinen Gesteine sind durch den Einschlag des Asteroiden um mehrere hundert Meter aus der Tiefe an die Oberfläche transportiert worden. Auf diesem kristallinen Sockel, der den Algen und Bakterien als Substrat diente, konnten diese durch ihre Lebenstätigkeit Kalk ablagern, der z. T. stotzenartig ausgebildet ist. Zeitweise wird der Hexenfelsen als Inselberg fungiert haben, das bedeutet, dass er über den Seespiegel herausragte.Auf dem Weg zum Adlersberg gelangt man über den Galgenberg zum Stoffelsberg. Während Baumaßnahmen zum Schwimmbadbau (Galgenberg) und beim Krankenhausbau (Stoffelsberg) in Nördlingen wurde wiederum das kristalline Grundgebirge freigelegt. Wie am Aufschluss Meyer´s Keller bilden auch hier Granite, Gneise und Amphibolite den Sockel. Das Grundgebirge, das auch hier um mehrere hundert Meter aus der Tiefe beim Einschlag herausgehoben wurde, diente den Algen und Bakterien wiederum als Substrat.

Das Waldgebiet im Südosten der Altstadt bedeckt den Galgenberg sowie den Stoffelsberg und ist nach Marie Friederike von Preußen benannt. Die ursprünglich kahlen Hügel wurden 1834 erstmals mit Bäumen bepflanzt und seither nach und nach zum Landschaftspark gestaltet.

Der Hexenfelsen auf dem Galgenberg war zur Zeit der Hexenverfolgung im Mittelalter eine städtische Hinrichtungsstätte. 1817 entstand auf der Marienhöhe der erste Bierkeller. Von der Altstadt zur Marienhöhe führt der Kellermannsweg, eine Lindenallee mit 60 Bäumen, die 1906 gepflanzt wurden.

 

Historische Bedeutung des Naturdenkmals: Der Hexenfelsen hat seinen Namen daher, dass auf ihm in der Zeit der Hexenverfolgungen die Scheiterhaufen loderten. Da die heutige Marienhöhe damals noch nicht bewaldet war, sah man die Feuer im ganzen Ries. Auch der Galgen stand auf dem Hexenfelsen, weshalb die Erhebung früher auch Galgenberg hieß. Und noch eine eher düstere historische Bedeutung hatte der Felsen: Angreifende Feinde fanden hier eine hervorragende Deckung, um die Stadt aus erhöhter Position mit Kanonen zu beschießen.

 

    

Bildansicht: Blick nach W

 

Reste von Kalken des ehemaligen Riessees haben sich hier, wie auch auf den Rieshügeln in Hainsfahrt, auf dem Wennenberg oder auf dem Steinberg erhalten. Die Kalkfelsen, aus der Seeflora an Ort und Stelle gewachsen, sitzen auf emporgehobenen Grundgebirgsschollen des so genannten "kristallinen Walls", der sich beim Einschlag des Meteoriten vor 15 Mio. Jahren gebildet hat.

 

Literaturhinweis:

Dietze V.: Der Riessee, DN, Heft 4, 1987.

Lingel, Klaus: Führer durch das Ries, mit Rundgängen, Wanderungen und Ausflügen, Konrad Theis Verlag Stuttgart, 1986

Landesamt für Umwelt (LfU) Bayern; Kartierung Pösges / Barfeld 2007