Naturdenkmale Donau-Ries

"Der Albuch", ST Nähermemmingen (ND-06636)


 

Lage: Von Nördlingen aus über Reimlingen nach Schmähingen, vorbei am dortigen Bad weiter in östlicher Richtung erklimmt man einen Jurarücken , den Albuch.

 

GPS-Ortung:

N: 48°48.268´; E: 10°29.689; Höhe: 544m ü. NN

Aufgenommen:

August 2004

Eigentümer:

Stadt Nördlingen

Schutzstatus:

Naturdenkmal - (ND-06636)

 

Wacholderheide mit Winterlinden auf der Höhe.

Albuch (Topographiepunkt) mit Gedenkstein an die Schlacht von Nördlingen am 6. September 1634. Von der Otto-Rehlen-Hütte verlaufen in mehreren Knicken nach rechts die damaligen Schanzen. Die Schweden, unter den Generälen Gustav Graf Horn und Herzog Bernhard von Weimar, stürmten vergeblich 13 mal gegen die Kaiserlichen an.

 

Bildansicht: Blick nach N

 

    

Bildansichten: Blick nach N

 

Geschichte des Albuch:

Nachdem ein kaiserliches Heer unter dem Befehl von Ferdinand von Ungarn bis zum August 1634 Donauwörth und Regensburg erobert hatte, unternahm Ferdinand einen Versuch, den Schweden die Handelsstadt Nördlingen zu entreißen. Verstärkung erhielt er dabei durch ein spanisches Heer, das von seinem Vetter Ferdinand von Spanien kommandiert wurde. Die protestantischen Gegner der Habsburger wollten den Fall Nördlingens unbedingt verhindern und führten ein Heer unter dem Befehl von Bernhard von Sachsen-Weimar und Gustav Graf Horn gegen sie ins Feld. Bernhard und Graf Horn verfügten zusammen über eine Truppe, die aus etwa 16.000 Infanteristen und 9.000 Reitern bestand. Das kaiserliche Aufgebot war jedoch mit 20.000 Fußsoldaten und 13.000 Reitern deutlich größer. Die kaiserlichen Truppen wurden durch ihre kroatischen Späher frühzeitig über das Herannahen des protestantischen Entsatzheeres informiert. Sie bezogen in einem hügeligen, bewaldeten Gelände südwestlich von Nördlingen Stellung und hoben Feldbefestigungen aus. In der Nacht auf den 6. September versuchten Bernhards Truppen, den so genannten Albuch-Hügel gegenüber der kaiserlichen Schlachtlinie einzunehmen, was aber vereitelt wurde. Die habsburgischen Soldaten gingen dazu über, sich auf diesem Hügel zu verschanzen.

Die Schlacht begann am Morgen des 6. September mit einem Angriff der Protestanten auf den zuvor bereits umkämpften Hügel. Die dort postierten spanischen Soldaten wurden zurückgedrängt, doch explodierten mehrere von ihnen zurückgelassene Pulverfässer, was bei den Schweden für Verwirrung sorgte. Beim schnellen Gegenangriff der Spanier verloren die Protestanten den Hügel. Mehrere Stunden lang befahl Horn insgesamt dreizehn Sturmangriffe auf den Albuch-Hügel, die allesamt erfolglos blieben und zahlreiche Todesopfer forderten. Am Mittag waren Horns Truppen so geschwächt, dass er ihre Regruppierung hinter Bernhards Stellungen anordnete. Als sie sich deshalb zurückzogen, nutzte das habsburgische Heer diese Gelegenheit zu einem Großangriff. Bernhards Truppen wurden in die Flucht geschlagen und stießen dabei auf ihre schwedischen Verbündeten, wobei ein Chaos entstand. Horn und 2.500 weitere protestantische Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Während man auf kaiserlich-habsburgischer Seite etwa 2.000 Tote und Verletzte hinnehmen musste, waren es auf protestantischer Seite nahezu 8.000.

Nach dieser schweren Niederlage der Protestanten konnte Nördlingen problemlos von den kaiserlichen Truppen eingenommen werden. Die Schweden zogen sich komplett aus Süddeutschland zurück, nicht jedoch aus dem Reich. Viele zuvor mit den Schweden verbündete deutsche Fürsten suchten nach der Schlacht bei Nördlingen eine Annäherung an den Kaiser, was im Prager Frieden vom 30. Mai 1635 seinen Ausdruck fand. Letztlich veranlasste der Habsburger Sieg bei Nördlingen Frankreich, an der Seite der nun geschwächten Schweden in den Dreißigjährigen Krieg einzugreifen. Mit dem Schwedisch-Französischen Krieg begann ab 1635 das blutigste Kapitel des Dreißigjährigen Krieges.

Für das Herzogtum Württemberg hatte die Niederlage der protestantischen Partei verheerende Folgen. Herzog Eberhard III. floh mit dem Hofstaat ins Exil nach Straßburg. Das Land war schutzlos den umherziehenden Soldaten ausgeliefert. Ganze Landstriche – besonders die Schwäbische Alb – wurden geplündert und verwüstet. Kaiser Ferdinand II. verschenkte große württembergische Gebiete an seine Verwandten und Günstlinge. Die Klöster wurden entsprechend dem Restitutionsedikt wieder mit Mönchen besetzt und rekatholisiert. Erst im Westfälischen Frieden wurde der Herzog von Württemberg wieder in all seine Rechte eingesetzt.

 

Literaturhinweis:

Lingel, Klaus: Führer durch das Ries, mit Rundgängen, Wanderungen und Ausflügen, Konrad Theis Verlag Stuttgart, 1986.

Rüdel, G.: Juraheiden im Ries, DRK Bd. I, 1976, S.158-159.