Naturdenkmale Donau-Ries

Kaufertsberg mit Hexenküche, OT Lierheim (ND-06615)


 

Lierheim ist ein alter Siedlungsplatz. Mit dem Namen Lierheim verbindet sich ein altes Rittergeschlecht, nämlich die „domines nobiles et liberi“, die freien und edlen Herren von Lierheim. Die erste urkundliche Erwähnung im Codex Traditionum des Klosters St. Ulrich und Afra in Augsburg ist vor 1128. u.a. ein Zeuge Egilofus de Lierheim“genannt.

 

Lage: Von Harburg kommend biegt man in Möttingen nach re. ab auf die DON 10 und erreicht nach kurzer Zeit die Ortschaft Lierheim. Von dort geht es dann nach rechts weiter in Richtung Heroldingen. Unmittelbar nach den letzten Häusern der Ortschaft biegt ein unbefestigter Flurweg nach re. ab in Richtung des Flüßchens Eger.

 

GPS-Ortung:

N: 48°48.560´; E: 010°36.665; Höhe: 428m ü. NN

Aufgenommen:

Juli 2004

Eigentümer:

Gemeinde Möttingen

Schutzstatus:

Naturdenkmal - Felsen (ND-06615)

 

Überkippte Malmscholle (Riestrümmermassen) mit ehem. Prallhang der pleistozänen Eger (Hohlkehlen).

Der Malm Gamma ist stark geklüftet und verkarstet (mit kurzer Höhle Hexenküche). Ehemalige kleine Abbaue an der Westseite erschliessen die vergriesten Bankkalke. Der Aufschluss befindet sich ca. 5 km innerhalb des südöstlichen Kraterrandes. Der Kaufertsberg besteht aus einer überkippten? Malm- Kalk Scholle des Malm gamma, die annähernd Ost- West streicht (1100) und nach Süden einfällt. Die Kalke sind gebankt, teils auch massig und partiell intensiv brecciiert. Die Hexenküche ist ein begehbares Karstloch innerhalb des Felsanschnittes.

 

Landesamt für Umwelt (LfU) Bayern; Kartierung Pösges / Barfeld 2007Ortsfremde Jurascholle auf Granit,altsteinzeitlicher Wohnplatz

Die "Hexenküche" ergab bei den Ausgrabungen durch F. Birkner und E. Frickhinger 1913 keine nennenswerten paläolithischen Funde aber doch eine Reihe von neolithischen bis mittelalterlichen Scherben-, Tier- und Menschenknochen.

 

   

Bildansicht: Blick nach N

 

Unter dem überhängenden Felsschutzdach (Abri) führt ein enger Gang in den Berg hinein zur oben offenen "Hexenküche". Archäologen konnten durch Funde die Anwesenheit der Menschen von der Altsteinzeit bis hinein ins Mittelalter nachweisen. Eine Kopfbestattung, die man in das ausgehende Eiszeitalter datiert, gewinnt eine besondere Bedeutung, da sie auf ähnliche Erscheinungen in der Großen Ofnet hinweisen. Die Höhle erhielt wohl ihren Namen von den Opfern des Hexenwahns, die hier auf Scheiterhaufen ihr unbarmherziges Ende fanden.

 

   

 

Auf der nach Süden zugewandten Seite ist Baumbewuchs in einer Reihe parallel zum Hang mit einem Alter von etwa 20 bis 30 Jahren vorhanden (von W. nach O.: Esche, Birke, 2 Robinien). Die Felder reichen bis knapp vor die Hangschulter. Die Beschattung durch die Bäume birgt die Gefahr der Veränderung der Heide- und Felsflora. Eine Reihe seltener Pflanzen ist festzustellen: (Berg-Gamander, Echter Gamander, Hufeisenklee, Weißer Mauerpfeffer, Mauerraute, Ästige Graslilie, Felsen-Meger, Weidenblättriges Ochsenauge, Blutstorchschnabel).

 

Geschichte: Lierheim ist ein alter Siedlungsplatz. Bei archäologischen Ausgrabungen in der nahe gelegenen „Hexenküche“ am Kaufertsberg wurde eine 7500 Jahre alte rituelle Kopfbestattung nachgewiesen. Die von Lierheim gehörten nebst denen von Öttingen und Hürnheim zu den wichtigsten adeligen Geschlechtern im Ries.

und Geschichten: Es wird berichtet, dass im Dreißigjährigen Krieg hier in dieser Höhle, eine ganze Familie vor marodierenden Soldaten lebensrettende Zuflucht gefunden habe.

 

Literaturhinweis:

Lingel,Klaus::Führer durch das Ries, mit Rundgängen, Wanderungen und Ausflügen, Konrad Theis Verlag Stuttgart.

Frei, H.; Krahe, G.: Archäologische Wanderungen im Ries, Schwaben Bd. 2, 1979.

Landesamt für Umwelt (LfU) Bayern; Kartierung Pösges / Barfeld 2007