Naturdenkmale Donau-Ries

2 Steinlinden an der Peterskapelle, OT Uttenstetten (ND-06576)


 

Tiefe Wälder umgrünen das Hofgut Uttenstetten. Luitpold von Weiltingen tauschte im Jahre 1285 Güter des Augsburger Domkapitels gegen einen Hof von Uttenstetten. 1431 erwirbt die Reichsstadt Dinkelsbühl Besitzungen in Uttenstetten, die bereits 1472 an den Dekan von Maihingen verkauft werden. Das Gut gehörte zur Erstausstattung des dortigen Minoritenklosters. Hier verbrachten die "reconvaleszierenden" Mönche Frühling und Sommer.

Während des Bauernkrieges brannte der Ellwanger Haufe das Gut beim Vorstoß ins Ries nieder. Durch die Säkularisation kam Uttenstetten in den Besitz des Fürstlich Oettingen-Wallersteinischen Hauses und später durch Verkauf an den "unternehmenden Weinhändler" Franz Joseph Abendanz aus Wallerstein. Er legte die prächtigen Kastanienalleen in Richtung Wolfskorb und an der Bundesstraße an. Diese und noch andere Unternehmungen führten allerdings zu seinem wirtschaftlichen Ruin.

 

Lage: Über die Romantische Straße (B25) von Fremdingen nach Dinkelsbühl, erreicht man die Abzweigung rechts nach Uttenstetten. Die unbefestigte Straße führt in eine Senke, die ein kleiner Bach durchfließt, bevor sie wieder emposteigt und zu einem unbeschrankten Bahnübergang führt. Nach dem Bahnübergang geht es stetig bergan, durch den Weiler Uttenstetten, bis man den Waldrand erreicht hat. Etwa 100 m re. erkennt man eine kleine Kapelle und die beiden Linden.

 

GPS-Ortung:

N: 48°59.933´; E: 010°26.444´; Höhe: 534 m ü. NN

Aufgenommen:

Juli 2003

Eigentümer:

 

Schutzstatus:

Naturdenkmal - Baum (ND-06576)

 

Hier ist uralter Siedlungsboden. Menschen des Neolithikums haben im geheimnisvollen Peterwald ihre Spuren hinterlassen. Tief im Gehölz wölben sich jahrtausendealte Grabhügel und an anderer Stelle schirmte eine Wallanlage unbekannter Zeit die Höhensiedlung nach Norden hin ab.

 

   

Bildansicht: Blick nach N

 

Die beiden unterschiedlich alten Steinlinden beschützen die kleine Kapelle St. Peter und ein davor aufgerichtetes Feldkreuz. Der ältere der beiden Bäume weist einen erheblichen Schaden am Stamm auf, der einer dringenden Sanierung bedarf, will man den Fortbestand des Baumes sichern.

1733 wurde die Kapelle, nach Osten hin ausgerichtet, erbaut und dem Heiligen Petrus geweiht. Wegen der Vorlaube aus Holz wurde sie im Volksmund auch „Peterhüttele“ genannt. Hier wurden auch Messen gefeiert. Holzkreuze vor Kapellen haben lange Tradition. 1857 war das bei der Peterskapelle aufgerichtete Kreuz umgefallen und verfault, 1858 wurde dann ein neues Eichenkreuz aufgestellt. Im Jahre 1931 pilgerten noch viele Gläubige - auch aus den Nachbarorten - hierher. Ahnten sie, welche Katastrophe das 3. Reich und der Nationalsozialismus über unser Vaterland bringen sollte? Die Schrift über dem Türbogen ist nicht mehr lesbar - sie lautete „Kommt zu mir von allen Orten, ich schließ euch auf die Himmelspforten“.

 

Nur noch selten verirrt sich ein Beter zu der nördlich von Uttenstetten gelegenen Andachtsstätte des heiligen Petrus. Der Altar mit Akanthusdekor barg einst die Holzfigur des Apostelfürsten Petrus. Sie ist heute aus Sicherheitsgründen im Fürstenhaus aufbewahrt.

 

"Ich weiß bei uns", so fabuliert Herman Seufert, "einen wunderlich verträumten Winkel, wo einem St. Peter die Tür zum Himmel aufsperrt. Für mich gibt es kein stilleres, kein tröstenderes Plätzchen als droben am Bergwald über der Mauch bei St. Peter." Es verwundert nicht, dass sich an diesem verschwiegenen Platz die Liebespaare trafen und ihre Initialen in Bank und Türe ritzten.

 

So selig duften die Linden.
Droben am Berg beim Wald.
Mein Herz wird Ruhe finden,
Träume werden Gestalt.
St. Peter in der Kapelle
Hebt segnend die Hand.
Des Himmels hohe Helle
Sinkt auf Mauer und Wand.
Und leuchtend seh´ ich die Wälder steh´n
Spüre ihr Atemwehn,
Süßes Sommerempfinden ...
So selig duften die Linden


(Hermann Seufert)

Literaturhinweis: www.fremdingen.de