Naturdenkmale Donau-Ries

Linden und Akazien am Keller, OT Schopflohe (ND-06572)


 

Nach dem Namen "lohe" (mhd. Wald, Hain) zu urteilen, entstand der Ort wohl in karolingischer Zeit. 1299 erschien Schopflohe im Besitz der Herren von Hohentrüdigen. In der Folgezeit beanspruchten bis zu sieben Grundherren die Dorfherrschaft. Keiner von ihnen aber konnte sich durchsetzen, so dass Schopflohe im Mittelalter weitgehende Autonomie besaß und als "Freidorf" bezeichnet wurde.

 

Lage: Fährt man auf der St 2214 Oettingen-Fremdingen, biegt man kurz nach Hochaltingen rechts ab nach Schopflohe und erreicht vor der Ortschaft auf einer Anhöhe, links unmittelbar neben der Straße eine größere Baumgruppe mit Gedenkstein (Flurbereinigung).

 

GPS-Ortung:

N: 48°58.582´; E: 010°29.115´; Höhe: 480 m ü. NN

Aufgenommen:

September 2003

Eigentümer:

Förch Alois und Gmde. Fremdingen-Schopflohe

Schutzstatus:

Naturdenkmal - Baumgruppe (ND-06572)

 

Bildansicht: Blick nach O

 

Geologie: Schwarzjura (Lias) delta Feldgehölz mit 5 alten Winterlinden und 2 jüngeren. Nördliche Linde 4,45 m; südliche Linde 3,45 m.

Die nördliche, dickere Linde ist auf der Nordseite tief ausgehöhlt so dass der Zerfallprozess weiter gehen kann. Laubansatz jedoch sehr gut und Astdürre ist nicht festzustellen.

Ein großes Büßerkreuz aus Granit und ein Standkreuz mit Christusfigur,überdacht, sind erwähnenswert. Beide Exponate sind von Büschen und Bäumen überwachsen und der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Sie sollten von der Gemeinde freigelegt werden. Ein Gedenkstein aus Kalkgestein am Rande des Feldgehölzes erinnert an die Flurbereinigung 1963-69.

 

"Alte Kreuze stehen am Rain,
Künden, was geschehen.
Doch der Wanderer zieht vorbei
Kann sie nicht verstehen".

 

Am sog. "Keller" südlich von Schopflohe an der Straße nach Hochaltingen soll einst eine Kapelle gestanden habe. Wenn wir vor dem steinernen Kreuz am Fuße des Hügels stehen, erfasst uns ein ehrfürchtiger Schauer, denn es ist von schrecklichen Geheimnissen umwittert.

Sühnekreuze gehen auf mittelalterliches Brauchtum zurück. Sie befinden sich vorwiegend an Orten eines Verbrechens mit tödlichem Ausgang. Statt die Untat mit dem Tod am Galgen zu büßen, konnte der Verurteilte mit den Angehörigen des Ermordeten einen Sühnevertrag aushandeln. Das Sühnkreuz musste der Täter selbst errichten und lebenslang betreuen. Er hatte für das Seelenheil des Ermordeten zu beten, zumal dieser "ohne letzte Ölung" zu Tode gekommen war. Dafür forderte auch die Kirche eine bestimmte Summe als Bußgeld, "Weggeld" genannt. So gelang es die Spirale der germanischen Blutrache zu durchbrechen und den Rechtsfrieden wieder herzustellen.

Warum das Sühnekreuz aufgestellt wurde, verliert sich im Dunkel der Zeit. Georg Monninger vermutet, dass sich hier eine "Freistätte" befand, an der Zweikämpfe ausgefochten werden durften. Oder setzte man es zum Andenken an die untergegangene Kirche? Im Laufe der Zeit vergaß man die Hintergründe und nutzte das Areal im vorigen Jahrhundert als Bierkeller. Die Schopfloher trafen sich dort in den Sommermonaten unter schattigen Linden und Akazien, die heute als Naturdenkmal ausgewiesen sind.

Im Erdreich versunken vom Zahn der Zeit deutlich gegenzeichnet, überstand das Kreuz Wohlstand und Hungersnöte, Friedenszeiten und Krieg, Wind und Wetter. Dieses Denkmale, hinter dem Menschenschicksale stehen, sollten wir auch weiterhin in Ehren halten, um so das Andenken unserer Vorfahren zu würdigen.

Ein weiterer Stein erinnert an die Flurbereinigung, die in Schopflohe von 1962 bis 1968 durchgeführt für über 2 Millionen Mark durchgeführt wurde. Sie umfasste ein Gebiet von 559 ha, legte ein gut ausgebautes Wegenetz an, entwässerte die Felder, beseitigte die Kleinparzellierung und verbesserte so wirtschaftlichen Grundlagen der Bauern.

 

Literaturhinweis: www.fremdingen.de