Naturdenkmale Donau-Ries

Segloher Moor, OT Seglohe (ND-06658)


 

Die Topographie gab Seglohe auch den Namen: Sege heißt im Mittelhochdeutschen Senkung, Tälchen oder auch Wasserbett. Als "villa Segelowa" erscheint der Ort bereits 1053 in der "Forst- und Wildbannverleihung" an das Bistum Eichstätt. Der umgebende Wald war bis dahin "res nullius", Niemandes Land und damit Königsgut. Hatten die Bauern der anstoßenden Gemarkungen noch freies Recht der Nutzung des Waldes, so schränkte Kaiser Heinrich III. vor 950 Jahren dieses Recht ein, indem er das "forestum" dem Eichstätter Bischof Gebhard übertrug. Die Ortsadeligen von Seglohe, die im 13. Jahrhundert die Dorfherrschaft innehatten, zogen sich immer mehr zurück. 1293 kauften sie von Konrad von Hürnheim Vogtei und Patronat in Ederheim und nannten sich nun nach ihrem neuen Wohnsitz Herren von Ederheim.

 

Lage: Von Schopflohe aus erreicht man nach kurzer Zeit, vorbei am Segloher Weiher, die Ortschaft Seglohe. In der Nähe des Erlhofes ist das Segloher Bad zu finden. In dessen unmittelbaren Nähe liegt das Segloher Moor.

 

GPS-Ortung:

N: 48°59.698´; E: 010°29.870´; Höhe: 458 m ü. NN

Aufgenommen:

Juni 2003

Eigentümer:

Anteilseignergruppe Seegloher Moor

Schutzstatus:

Naturdenkmal - Moor (ND-06658)

 

Bildansicht: Blick nach W

 

    

Bildansicht: Blick nach SW                                      Bildansicht: Blick nach NW

 

Am Nordrand von Seglohe breitet sich im "Brühl" auf 4 ha ein Niedermoorgebiet aus. Die Flur erhielt ihren Namen vom mittelhochdeutschen "brüel", was so viel wie eine tiefer gelegene mit Busch und Gras bewachsene Wiese bedeutet. In diese flache Senke zwischen Dorf und angrenzenden Fichtenwald drücken von den Anhöhen her die versickernden Niederschläge. Durch den Wasserüberschuss konnten sich die absterbenden Pflanzen nur unvollkommen zersetzen, so dass ein Flachmoor mit einer imponierenden Mächtigkeit von 1,7 m bis stellenweise 3,2 m entstand. Bei der Flurbereinigung entschloss man sich, das Moorgebiet zu erhalten und es der Teilnehmergemeinschaft zuzuteilen. Seitdem steht dieses Naturdenkmal unter einem besonderen Schutz.

Im Frühjahr und Herbst mähen die Segloher das Moor und die 5 ha große Fläche des östlich angrenzenden Rieds, das mit Schilfdickicht und eingestreuten Erlen durchzogen ist. Den östlichen Teil des Rieds  baggerte man zu einem Badeweiher mit 0,7 ha Fläche aus und nutzte die Straße nach Hochstadt als Damm. Hier feiern die Segloher alle zwei Jahre ihr Weiherfest, das sich zu einem Volksfest im Nordries entwickelte.

Am etwa zwei Meter breiten und tiefen Graben, der das Moor durchzieht, blühen Sumpfdotterblumen und Echtes Mähdesüß.In wassergefüllten Mulden wächst Fieberklee, aus dessen dreilappigen Blättern man früher fiebersenkenden Tee gewann. Aus dem bunten Teppich seltener Moorblumen ragen mehre Orchideenarten heraus (Mücken-Händelwurz, Echte Sumpfwurz, Breitblättrige Fingerwurz). Der leuchten rot blühende Sumpf-Storchschnabel ist eine Lebensgrundlage für den "Braunen Bläuling". Dieser Schmetterling verlässt das Gebiet nicht und saugt den Nektar an den Blüten, und lebt auch als Raupe auf dieser Pflanze. Dieser Falter ist in der Roten Liste Bayerns als sehr selten eingestuft. Vierzehn weitere Falter haben Biologen gezählt, darunter Schachbrett, Kleiner Heufalter, Violetter Silberfalter und als einzigen Vertreter im Ries den  prächtigen Bläuling. Sumpf- und Teichrohsänger brüten hier nach ihrem Winteraufenthalt in Afrika.

 

"Der Knabe im Moor" von Anette von Droste Hülshoff kommt einem dabei in den Sinn:

 

"Oh, schaurig ist’s, übers Moor zu gehen,
wenn es wimmelt von Heiderauche,
sich wie Phantome die Dünste drehen
und die Ranke häkelt am Strauche,
unter jedem Tritt ein Quellchen springt,
wenn aus der Spalte es zischt und singt.
Oh, schaurig ist’s, übers Moor zu gehen,
wenn das Röhricht knistert  im Hauche."

 

Literaturhinweis:

Rasch, E.: Das Segloher Moor, DN, Heft 1, 1992.

Lingel, Klaus: Führer durch das Ries, mit Rundgängen, Wanderungen und Ausflügen, Konrad Theis Verlag Stuttgart.

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